Jetzt ist sie weg…

2017-25-09-19-54-51

So, nun ist passiert, was eigentlich schon immer klar war, unser erstes Küken hat das Nest verlassen und fliegt nun allein durch ihr Leben. Und es fühlt sich nicht so schlimm an, wie ich dachte.

Es fühlt sich noch schlimmer an als ich dachte!

 

Nicht realisierend wobei wir sie da unterstützen, haben wir sie bei Wohnungsbesichtigungen begleitet, bei der Vertragsunterzeichnung unterstützt, wir waren einkaufen beim schwedischen Händler für Möbel, Teelichter und Fleischbällchen, haben mit ihr renoviert und Möbel und Umzugskartons durch die Weltgeschichte gefahren. Und dann kam der Tag, an dem sie ging.

Plötzlich! Unerwartet! Wie aus dem Nichts!

Der Abschied war nicht so filmreif, wie ich ihn mir ursprünglich ausgemalt hatte. Keine tränenreiche Verabschiedung an ihrer neuen Wohnungtür, keine emotionalen Abschiedsworte von ihr an uns, keine Weisheiten fürs Leben von uns an sie. Unser Lebewohl  lief sehr pragmatisch ab, was ehrlicherweise auch besser zu uns passt.

Bei uns wütete ein Grippevirus, der mich am schlimmsten erwischt hatte (nein kein Selbstmitleid, pure Tatsache). Unser “Flüchtlingskind” hatte spontan, während ihrer Renovierungsphase eine kleine Mandel OP eingeschoben und das Letzte was sie, frisch aus dem Krankenhaus entlassen brauchte, war, sich an zu stecken.

So kam sie an das Bett, in dem ich dahin siechte, sagte, sie würde jetzt fahren weil sie sich nicht anstecken wolle, ich sagte “ja ist gut, Tschüss” und sie wurde vom Vater in ihr neues Zuhause gefahren. Das sind Szenen aus dem Filme gemacht werden!

 

Seit dem, sind wir “nur” noch zu Sechst. Ein Platz am Tisch bleibt leer. Ihr Zimmer wurde relativ schnell von  ihrem Bruder in Beschlag genommen, einen Schrein der Erinnerung kann man sich mit fünf Kindern in einer kleinen Doppelhaushälfte nicht leisten. Ihre Sachen liegen nicht mehr herum, ihre Wäsche flutet nicht mehr die Waschküche. Keiner stellt mehr richtig, was wir falsch aussprechen, keiner beschwert sich über den sch… wlan Empfang und keiner liest uns mehr lustige Sprüche aus dem Internet vor. Das Alles fehlt mir sehr!

Keiner backt mehr Kuchen für uns, keiner quatscht mit mir über belanglosen Weiberkram, keiner sagt mir ob die blauen Schuhe zur schwarzen Hose passen, keiner lacht mit mir über doofe Witze,  keiner kämpft mit mir gegen die “Fleischfresser” und bewahrt mich davor, selber wieder einer zu werden. Keiner diskutiert mit uns über das Weltgeschehen und hat am Ende Recht (außer mir natürlich) und ich kann mich Nachts nicht mehr beruhigt umdrehen, wenn ich ihren Schlüssel im Schloss höre. Das alles fehlt mir noch mehr!

 

Wenn man eine Familie gründet, dann ist zwar klar, das es  den Moment, an dem die Kinder das Haus verlassen werden, geben wird, aber der ist doch so weit weg und gehört irgendwie nicht zum Plan. Man lacht zwar über Witzchen, wie “wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot ist, geht das Leben erst los” aber ernst ist es einem doch nicht damit, oder?

Bei allen anstrengenden Phasen, bei allen Momenten, in denen wir sie am liebsten zur Adoption frei geben würden, bei allen Situationen in denen wir uns fassungslos fragen, ob dieser kleine Giftzwerg da, wirklich unser Kind sein kann, genießen wir doch das Zusammenleben als Familie.

Es ist schön,  den eigenen Kindern beim Aufwachsen zu zu sehen. Es ist schön sie in ihrer Entwicklung zu begleiten, und es ist schön, das wir für eine kleine Weile der Mittelpunkt in ihrem Leben sein dürfen und sie in unserem.

Das es den Tag geben wird, an dem diese Lebensform auseinanderbricht, ist unvorstellbar und kommt, obwohl wir es von Anfang an wissen, völlig unvorbereitet. Und das Paradoxe daran ist, dass wir diesem Prozess die ganze Zeit zu arbeiten und ihn unterstützen. Wir erziehen sie zur Selbstständigkeit und bereiten sie auf ein Leben ohne uns vor. Und was tun diese undankbaren Gören zum Dank? Sie gehen tatsächlich!

 

Ja, ich weiß, das ist gut so, und das muss so, und ich will es ja auch so.

Natürlich möchte ich keins meiner Kinder noch mit 45 zu Hause wohnend haben und ihm den Gute Nacht Kakao ans Bett bringen. Ich will, dass sie ihren eigenen Weg gehen, dass sie ihr Glück in der Welt suchen und finden. Und ich weiß ja auch, das sie immer wieder zu uns zurück kommen. Auf Besuch, zum home shopping oder zum Wäsche waschen. Sie werden uns ihre zukünftigen Lebenspartner vor stellen und vielleicht irgendwann ihre Kinder (unsere Enkelkinder ahhh!!!) zum Babysitten vorbei bringen.

Das ist ja auch etwas, worauf man sich freuen kann.

 

Nur jetzt bin ich eben etwas traurig darüber, das es nie wieder so sein wird, wie es mal war. Abschied tut halt weh.

Zum Glück haben wir ja noch ein paar Caosverbreiter vor Ort mit denen wir noch eine Weile das Vergnügen haben werden. Und diese Zeit werden wir, verdammt noch mal, genießen.

 

In diesem Sinne, Tränchen trocknen, Kittelschürze zurecht zupfen und zurück an die Front, Freunde!

 

2 Kommentare zu „Jetzt ist sie weg…

  1. ich als Vater kann das gut verstehen, wenn ich das so lese betrachte ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge, für die Mama ist dieser schritt doch am schwersten.du wirst sehen eine ganz neue Welt wird sich dir und deinem Kind eröffnen, neue Ansichten, viele neue Gesprächsthemen wird es geben.Danke für den Einblick in deine Gedankenwelt, gut geschrieben…..und somit einen neuen Flowerpower…..

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    1. Hallo laschy, danke für deinen Kommentar und Herzlich Willkommen auf meinem Blog. Ja, ich glaube du hast recht, wir müssen uns einfach noch an die neue Situation gewöhnen und dann können wir die Vorteile genießen. Liebe Grüße

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