Liebe Weihnachtszeit,

2017-17-12-09-19-28

wir müssen reden. Ich glaube, wir haben uns auseinander gelebt. Irgendwie scheint unser Verhältniss, in den letzten Jahren nicht mehr so zu sein wie Früher.

Versteh mich bitte nicht falsch, ich mag Dich und ich freue mich auf Dich. Ich bereite alles für Dich vor. Putze das Haus, dekoriere die Fenster und den Vorgarten mit Lichterketten. Ich backe Plätzchen für Dich und zünde Kerzen an. Ich stelle mir vor, dass wir zwei es uns so richtig gemütlich miteinander machen. Wir kuscheln uns aufs Sofa, hören Deine Musik und im Kamin lodert das Feuer. Wir zwei schmieden Pläne, nehmen uns vor Zeit mit der Familie zu verbringen, besonders nachsichtig und gutmütig zu sein und längst fällige Versöhnungen an zu stoßen. Gemeinsam schwelgen wir in Erinnerungen, an vergangene Zeiten in denen unsere gemeinsame Tage noch strahlender und noch friedlicher gewesen zu sein schienen.

Nun ist es aber leider so, dass unsere jährlichen Zusammentreffen  nichts mehr mit diesen “Guten alten Zeiten” zu tun haben. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es die jemals gegeben hat, oder ob wir zwei uns da nicht was vor gemacht haben.

Als ich noch ein Kind war,  meine ich, hätten deine Kerzen heller gebrannt, Deine Ankunft schien geheimnisvoller, deine Tage waren magischer und deine Geschenke waren überraschender.

Jetzt stehen Deine Backwaren  schon im Oktober in den Supermärkten. Du bist voll gepackt mit Terminen und Verpflichtungen, die wir abarbeiten, in der Hoffnung, danach endlich zur Ruhe zu kommen und uns auf Dich einlassen zu können.

Wir kaufen unmengen an Geschenken und verpacken sie aufwendig, aber echte Beziehung und Menschlichkeit ist nur selten darin. Nur Kram, der unsere Wohnungen noch weiter zu stopft oder unseren Drang befriedigt, noch mehr Statussymbole zu besitzen.

Die Kinder verschicken keine Wunschzettel mehr. Ihre Listen kommen eher einer Bestellung gleich und der Heilige Abend ist dann eben nur noch der Liefertermin.

Wir erfüllen Erwartungen, nichts weiter. Erwartungen auf das perfekte Geschenk, den perfekten Weihnachtsbaum, die perfekten Feiertage, das perfekte Essen, das perfekte Weihnachtsprogramm. Und unter diesem Druck, diesen perfekten Moment zu erschaffen, brechen wir im laufe der Weihnachtstage zusammen.

Was der eigentliche Anlass des Weihnachtsfestes ist, haben wir über dieses ganze Brimborium vergessen. Und noch erschreckender ist, dass viele Menschen nicht einmal wissen, warum wir überhaupt Weihnachten feiern. Christ sein ist nicht mehr angesagt, und biblisches Wissen weiter geben, oft nicht mal erwünscht. Im nicht christlichen Kindergarten wird aus der Weihnachtsfeier das Lichterfest und die Geschenke bringt am heiligen Abend ein dickbäuchiger alter Herr mit weißem Bart und roter Kleidung, der sich samt Presente Sack durch den Kamin quetscht. Was der mit Coca Cola zu tun hat, lohnt sich mal zu googeln!

Mit dem Heiland, mit Jesus, Gottes Sohn, dessen Ankunft wir an Weihnachten feiern, hat das alles nicht mehr viel zu tun oder? Aber da glauben sowieso nur noch Wenige dran,  der Mann mit dem fliegenden Rentierschlitten scheint da wohl wesentlich glaubwürdiger!

Jetzt muss ich zugeben, dass ich auch nicht so genau weiß, wie ich aus der Nummer raus komme. Meine Familie hat auch Erwartungen, die ich erfüllen möchte oder muss. Meine Kinder hoffen auf Geschenke und sie haben auch genaue Vorstellungen, was unter dem Tannenbaum liegen soll. Wir gehören einer evangelischen Gemeinde an und gehen regelmäßig in den Gottesdienst. Warum wir Weihnachten feiern, wissen wir also alle sehr genau. Und dennoch hat der Weihnachtsmann auf unsere Kleinen ein große Anziehung. Wie soll man sich dem auch entziehen, kommt er doch in so vielen Filmen und in der Werbung vor. So switchen wir zwischen  “wir feiern die Geburt des Christkindes” und dem „Geschenke bringenden Weihnachtsmann“ hin und her.

Ich habe ebenfalls Termine, die in der Weihnachtszeit anfallen und mir die Zeit und Ruhe rauben. Statt Besinnlichkeit und Weihnachtsstimmung lassen sie Stress und Druck auf kommen. Ich habe auch die Vorstellung der perfekten, harmonischen Weihnachtstage, und werde in der Realität  eines Besseren belehrt. Und spätestens am zweiten Weihnachtstag sagt mir dann eine Migräne Attacke, dass ich in den letzten Wochen wohl etwas übertrieben habe.

Liebe Weihnachtszeit, ich glaube, nicht Du, sondern wir Menschen haben uns verändert. Aber bitte verlier die Hoffnung in uns nicht, im nächsten Jahr machen wir es vielleicht besser.

4 Kommentare zu „Liebe Weihnachtszeit,

  1. Kann deine Gedanken gut nachempfinden, da ich vor vielen Jahren genau an diesem Punkt war. Hatte meinen Kids, damals 6 und 3 Jahre, gesagt, dass wir das mit den Geschenken an Weihnachten nicht mehr machen, da es das Fest der Liebe und nicht der Geschenke sein soll. Sie haben bis heute kein Problem damit, da es andere Tage gibt, an denen wir uns was schenken, bzw. kaufen.
    Jetzt haben wir einfach immer nur eine schöne, gemeinsame Zeit.

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    1. Hallo zehrasworte
      das war ein mutiger Schritt von Dir, den ich mich noch nicht so richtig traue zu gehen. Jetzt wäre es wohl auch etwas kurzfristig die Geschenke „ab zu sagen“, aber ich glaube ich sollte meine Kinder im Laufe des nächsten Jahres mit dieser Idee anfreunden. Danke für deinen Kommentar

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      1. Sehr gern. Frohe Weihnachten euch 🙂

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      2. Danke, ich wünsche Dir und Deiner Familie auch Frohe Weihnachten

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