Nicht meine Baustelle?!

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Aus der unteren Etage unseres Hauses sind laute Stimmen zu hören. Mein Mann diskutiert mit unserer kleinen Tochter und an ihrer Stimmlage kann ich gut erkennen, dass das Kind jeden Moment eskalieren wird.

Ich weiss nicht worum es genau geht. Es könnte sein, dass da eine wichtige Sache zwischen den Beiden  geklärt werden muss. Es könnte aber auch sein, dass hier gerade eine Mücke zum Elefanten gemacht wird, und wir wegen einer Unwichtigkeit den restlichen Tag, statt mit einem kleinen Mädchen, mit einem mini Hulk klar kommen müssen. Was tun? Einmischen? Klappe halten?

Ich muss zugeben, dass es durchaus Situationen gab, in denen ich, ohne zu wissen was genau los war, dazwischen gegangen bin. Meistens habe ich Partei für das Kind ergriffen und oft war es ungerecht meinem Mann gegenüber. Paradoxerweise, empfinde ich es durchaus  als gerechtfertigt, selber ungehalten zu werden und zu schimpfen, auch bei lächerlichen Anlässen, wie einem umgekippten Glas oder einer in der Schule vergessenen Jacke. Meinem Mann hingegen, gestehe ich diese Schwäche leider zu oft nicht zu. Wenn er laut wird, und das wird er wesentlich seltener als ich,  kann ich das kaum ertragen, und ich vergehe vor Mitleid mit dem Kind.

Und da unsere Kinder nicht dumm sind, haben sie aus solchen unglücklichen Situationen sehr schnell die Schlussfolgerung gezogen, “wenn Papa nein sagt, fragen wir einfach Mama, die sagt dann ja”.

Das das erziehungstechnisch ein ziemlicher Schnitzer war, habe ich sehr schnell eingesehen.

Das Eltern am gleichen Strang ziehen sollen, liest man  in vielen Erziehungsratgebern und es ist ja auch einleuchtend. Die zwei Menschen, denen ein Kind am meisten auf der Welt vertraut, sollten sich schon einig sein in ihrer Haltung zum Kind, sonst kann es schwierig werden.

Und genau das ist eine echte Herausforderung. Wir kommen aus verschiedenen Elternhäuser und haben verschiedene Lebensgeschichten hinter uns, die uns geprägt haben.

Vielleicht haben wir uns entschieden,  ganz anders als unsere eigenen Eltern zu erziehen, oder wir wollen es genauso machen wie sie.

Wenn Paare zu Eltern werden, treffen also zwei Vorstellungen vom Idealbild aufeinander und das gibt eine Menge Zündstoff. Nicht umsonst sagt man, dass Kinder die größte Belastungsprobe für eine Beziehung sein können.

Wenn ich mich also in einen Konflikt zwischen meinen Mann und einem unserer Kinder einmische, dann schwäche ich nicht nur seine Position zum Kind, ich zweifle auch seine Kompetenz als Vater an. Ich stelle seine Vorstellung von Erziehung in Frage, und das auch noch vor den Ohren und Augen des Söhnchens oder der Tochter.

Die logische Konsequenz ist also, sich erst mal raus zu halten, und später, wenn die Kinder nicht dabei sind, miteinander über die Situation zu sprechen.

Eltern müssen nicht immer gleicher Meinung sein, und  Kinder können es gut verkraften, wenn Papa die Dinge anders macht als Mama. Ich glaube sogar, dass es gut ist, wenn sie schon früh die Vielfältigkeit und Andersartigkeit von Menschen kennen lernen, auch die der eigenen Eltern.  Mein Weg, meine Meinung und meine Art sind nicht die einzig waren, und wie vermessen wäre es, das zu glauben?

Wir sind als Eltern kein bisschen perfekt, und das dürfen unsere Kinder auch mit bekommen, weil es ihnen die Freiheit lässt auch nicht  perfekt sein zu müssen.

Meinungsverschiedenheiten und Streit gehören zum Leben, und dies müssen wir nicht vor unseren Kindern verstecken. Wichtig ist, das die Versöhnung nach dem Streit vor dem gleichen Publikum statt findet, das wir aber Streitereien, in die die Kinder verwickelt sind, nicht vor ihnen aus fechten. Sie haben unglaublich feine Antennen für negative Schwingungen und oft fühlen sie sich verantwortlich für den Stress zwischen den Eltern.

Nicht selten versprechen “Scheidungskinder” ihren Eltern  “wieder ganz lieb zu sein”, in der Hoffnung, sie würden sich dann wieder vertragen. Was für eine Last liegt da auf den Schultern der Kinder!

Ganz schrecklich fand ich als Kind auch die Drohung meiner Mutter, “warte wenn ich das dem Papa sage, dann kannst du was erleben”, wenn sie mit ihrem Latein am Ende war. Was für eine schreckliche Rolle für meinen sanftmütigen Vater, der als Bad Cop wirklich kein bisschen geeignet war. Und das Schlimme war, die Drohung hat gezogen. Ich hatte wirklich Angst vor der Reaktion meines Vaters, obwohl es nie eine Situation gab, die mir Grund dafür gegeben hätte.

Für mich gilt also meistens “ nicht meine Baustelle”, wenn es Stress zwischen unseren Familienmitgliedern gibt.

Eine Ausnahme ist körperliche Gewalt. Da wir Diese als Erziehungsmittel komplett ablehnen, ist das zum Glück kein Thema zwischen uns Erwachsenen (und hier schließe ich die drei Großen mit ein).

Anders verhält es sich bei unserem sechsjährigem Zwillingspaar. Die Zwei setzten bei Streitereien gelegentlich  auch Körperkraft ein. Hier ist meine Grenze erreicht. Mama mischt sich ein! Weil Gewalt  nämlich überhaupt nie nicht eine Lösung ist! Auch nicht, wenn die “doofe  Ziege” den Kappla Turm zerstört hat, oder der “Blödi” das letzte Kaugumie aufgefuttert hat.

“Und wenn ihr nicht sofort aufhört, dann sag ich es dem Papa, dann könnt ihr was erleben”!

 

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