Geburtstagswahnsinn

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Geburtstagsparty der kleinen Tanja ca. 1980:

Selbst gemalte Einladungskarten für ca. fünf Freundinnen, ein Kuchen, von Mamma gebacken, Fanta, Kakao, Chips und Süßigkeiten. Es ging um drei Uhr los, die Gäste kamen allein und zu Fuß, brachten mir Geschenke mit, die von ihren Müttern ausgesucht wurden, wir aßen etwas Kuchen, viel Süßigkeiten und tranken Kakao und Fanta.

Bei schönem Wetter ging`s danach raus, auf den Hof, bei Regen blieben wir in der Wohnung. Für das Bespaßungsprogramm waren wir selber zuständig. „Topfschlagen“, „Fischer, Fischer wie tief ist das Wasser“ oder „Stopptanz“. Uns wurde nicht langweilig. Am Abend dann, Pommes und Würstchen, viel gegiggel am Esstisch, und danach, sind meine Freunde nach Hause gegangen. Ohne Goddi-Tütchen, voller Süßigkeiten und kleinen Aufmerksamkeiten.

Ich kann mich auch nur an eine Sache erinnern, die ich als Gast von einer Geburtstagsparty mit nach hause gebracht habe, und das waren Kopfläuse!

Meine große Schwester bekam an diesem Tag übrigens keine Geschenke, weder von meinen Eltern, noch von meinen Freunden. Warum auch, ich hatte ja Geburtstag. Das war mein Tag! Ich bekam das erste Stück Kuchen, und ich durfte bestimmen, wer beim Schokokuss Wettessen ( da hießen sie noch Negerküsse, aber das ist jetzt politisch unkorrekt) anfangen durfte.

Die Rolle meiner Eltern war an diesem Tag vergleichsweise klein. Sie sorgte für unser leibliches Wohl, das war`s. Sicher hatten sie auch die Aufsicht, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ihr Eingreifen irgendwann nötig gewesen wäre. Unsere Streitereien haben wir selbst geklärt, und auch die Regeln unserer Spiele waren klar. Abends zogen alle wieder nach hause, und der Sieger des Tages, war der, der Nachts nicht ins Bett kotzen musste.

Geburtstagsparty 20017:

Im Vorfeld wird kreativ gebastelt, gewerkelt, und passend, zum Motto der Party, „Einladungskunstwerke“ an rund zehn Kinder verteilt. Die Location ist nur noch selten das eigene Zuhause. Da ist die Bandbreite groß geworden, und auch finanziell, gibt es kaum Grenzen nach oben. Ob der Event-Bauernhof, der Indoor-Spielplatz, Zoo, Kino, Schwimmbad, Kindermuseum, Kletterhalle, das Kampfsportcenter, die Bowlingbahn, der Reiterhof, der Bio-Bauernhof, das Industriemuseum, die Sternwarte, die Kart-Bahn, die Perlen-Werkstatt, das Keramik-Studio, der Vergnügungspark oder die Planwagenfahrt, es gibt nichts, was es nicht gibt.

Für das Programm sorgt der jeweilige Anbieter. Die Eltern des Geburtstagskindes müssen sich um das leibliche Wohl kümmern, das logistische Problem lösen, die Kinderschar zum ausgewählten Event zu bringen, und die aufgeregte Meute in Schach halten.

Auf dem Rückweg, Abendbrot beim Fast Food Restaurant, eine prall gefüllte Goodi Tüte für jedes Kind, und wieder ist ein Jahr geschafft.

Die Geschenke müssen übrigens nicht mehr vom Gast ausgewählt werden. Nein, in den Spielzeugläden der Umgebung werden Geschenkkörbe bzw. Kisten bereit gestellt. Das Geburtstagskind in spe, füllt diese, mit Objekten der Begierde aus dem Laden, die Eltern des Gastes in spe, wählen dann ein oder mehrere Teile aus, kaufen, und überreichen sie am Tag X, dem nicht mehr ganz so überraschten Geburtstagskind.

Kann man alles so machen, wenn man möchte. Kann jeder nach seinen Vorlieben, seinem Zeitkontingent, wohnlichen Gegebenheiten, nach den Wünschen des Geburtstagkindes und nach dem finanziellen Spielraum des eigenen Geldbeutels, individuell, entscheiden.

Es ist ja auch überhaupt nichts dagegen ein zu wenden, wenn man seinem Kind, und dessen Freunden eine schöne, unvergessliche Zeit bieten möchte. Ich bin mir sicher, die Gäste und Geburtstagskinder hatten bei jedem dieser Events großen Spaß, und ich bedanke mich herzlich für jede Einladung an meine Kinder, und die Kosten und Mühen, die nicht gescheut wurden.

Ich frage nur, für wen dieser Aufwand wirklich betrieben wird? Wirklich nur für die Kinder?

In den letzten Jahren kommt der Verdacht auf, dass man, mit den vorgelegten Maßstäben, der voran gegangenen Partys, mindestens mit halten möchte, besser man übertrifft sie noch.

Höher, schneller, weiter, teurer, exklusiver. Wenn das so weiter geht, gibt es bald Fallschirmspringen und Hauswandklettern für die lieben Kleinen.

Zu den Kindergeburtstagszeiten meines Erstgeborenen, war das Highlight, bei Mc Donalds zu feiern. Etwas später kamen die Indoor Spielplätze dazu, inzwischen lebt ein ganzer Industriezweig von den Kinderpartys!

Die Tendenz geht immer mehr dahin, dass wir alles, was unsere Kinder betrifft, gegen Geld, in fremde Hände geben. Sicher, alles vom Feinsten, der Preis spielt keine Rolle, aber die emotionale Verbindung dann leider auch nicht mehr.

Mit Schaudern erinnere ich mich an den Geburtstag des Zweijährigen, auf einem Event- Bauernhof, für den ich als Animateurin tätig war. Das Essen wurde vom Caterer geliefert, die Torte vom Konditor. Und auch die Tischdeko hätte schöner nicht sein können. Nur leider, hat der kleine Kerl, fast die ganze Zeit, vor Überforderung geweint, und spätestens als es in den Kuhstall ging, stimmten seine gleichaltrigen Gäste mit ein. Ne wat war dat schön!

Mit unseren fünf Kindern haben wir, bis jetzt, rund 30 mal zur Geburtstagsparty eingeladen. Zwei davon, fanden im Indoor-Spielplatz statt, einmal haben wir das Angebot eines Bauernhofes mit Pony reiten, und Bootsfahrt auf dem hofeigenen Teich genutzt, und zwei mal waren wir auf der Eisbahn, Schlittschuh laufen.

Alle anderen Partys fanden zu Hause statt. Mal mit Motto, mal ohne. Zwei mal habe ich mich als Clown verkleidet, und eine Schmalspur Zaubershow ab geliefert, und fast immer haben wir eine Schatzsuche im nahe gelegenen Wald gemacht. Zwei mal hatten wir Freddy da, ein älterer Herrn , der seine Gitarre mit brachte und mit den Kindern Lieder sang. Daran erinnern sich unsere großen Kinder noch heute.

Zu essen gab es Kuchen und Süßigkeiten, und seit ich bei anderen Müttern gesehen habe, dass Rohkost angeboten wird, tue ich das auch. Dieser Teller bleibt allerdings, von den Kindern, meist unangetastet. Ich gebe zu, er steht da nur, für die anderen Mütter!

Ich bin weiß Gott eine Verfechterin der Gesunden Ernährung, aber am Geburtstag kann man auch mal auf die Kacke hau`n, oder? Was wird denn auf unseren Erwachsenen Partys angeboten? Gesunde Fruchtsäfte oder Bier und Wein? Auch das obligatorische Geschenketütchen für die Gäste, wird bei uns, am Ende des Festes, verteilt.

Es hat mir immer Spaß gemacht die Partys zu planen, und Teil des Geschehens zu sein. Es war erstaunlich zu sehen, wie die Kinder bei den Schatzsuchen in eine Fantasiewelt ein tauchten, und sich komplett auf meine Geschichte ein ließen. Auch die mutigsten Krieger duckten sich vor Schreck, wenn ich glaubte, einen Tiger gehört zu haben, oder die Ritter des bösen Königs, der die Prinzessin gefangen hielt, die wir zu befreien gedachten.

Es war auch schön, wenn die Kinder nicht mehr die Mama ihrer Freundin in mir sahen, wenn ich die Clownsschminke im Gesicht hatte, und über meine durchschaubaren Zaubertricks und Gags lachten.

Ja, es war auch anstrengend. Ja, die Wohnung sah danach aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, und ja, ich war Abends froh, wenn alle ab geholt wurden und lag danach erledigt auf der Couch.

Das war, und ist unsere persönliche Art, Geburtstag zu feiern, und bei keiner Party hat sich je ein Kind darüber beschwert. Eigentlich wirkten sie alle sehr zufrieden, wenn sie ab geholt wurden.

Von anderen Müttern ist aber sehr wohl zu hören, dass es untereinander Kritik gibt, wenn man sich den gängigen Normen widersetzt, oder am Ende der Feier kein Geschenktütchen an die Gäste verteilt. Wie so oft, leider nicht offen, sondern hinter dem Rücken der Gastgeber.

Wieder einmal sind die größten Kritiker von Müttern andere Mütter.

Schade!

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