(K)ein ganz normaler Tag

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Die Kinder haben Herbstferien, ich habe Urlaub. Es gibt nicht viel, was wir gerade müssen. Wir leben in den Tag hinein, und genießen die freie Zeit.

Heute sind wir nach dem Frühstück an den Baldeney See gefahren. Ein Ort, den ich eigentlich meide, besonders an Sonn- und Feiertagen, weil er alle sportbegeisterten Menschen, aus den umliegenden Städten, an zu ziehen scheint, und an eben solchen Tagen an die Rush Hour einer Großstadt erinnert. Nur, dass die Menschen nicht im Business Look, sondern in „Tchibo Sports“ gehüllt sind. Einem Jogger, kann ich, mit meinen impulsiven Zwillingen, vielleicht noch aus weichen. Bei Inline Skatern oder Rennradfahrern ist die Kollisionsgefahr ungleich größer.

Heute ist kein Feiertag, die Hobbyathleten müssen arbeiten, heute habe ich Lust auf See.

Die Kinder sind schnell zu begeistern. Zu Hause packen wir Zwieback für die Enten ein, unterwegs besorgen wir Brötchen für uns.

Obwohl ihre Mutter seit zwanzig Jahren joggt (ja, auch in Tchibo Sports), sind die Kinder keine großen Läufer. Um den Diskussionen, die gewöhnlich nach zwanzig Metern Wegstrecke aufkommen, aus dem Weg zu gehen, die Sätze wie „ich kann nicht mehr“ und „wie weit ist es noch“ beinhalten, nehmen wir die Cityroller der Beiden mit.

Angekommen am See, sind wir drei schwer beeindruckt von seiner Schönheit. Die Blätter der Bäume sind bunt gefärbt, die Luft ist herrlich klar.

Da sind wir bis nach Schweden gefahren, um uns von der dortigen Seenlandschaft bezaubern zu lassen, und haben vergessen, was wir für ein wunderschönes Stückchen Natur, fast unmittelbar vor unserer Haustür liegt.

Die Kinder rattern mit ihren Rollern über die große, holzbeplankte Brücke, und haben Spaß. Ein bisschen Ehrfurcht ist auch dabei, sie sind sich nicht sicher, ob die Konstruktion verlässlich ist.

Am anderen Ufer angekommen machen wir uns auf die Suche nach hungrigen Enten, schließlich haben wir, extra teures Bio- Zwieback, für die gefiederten Herrschaften dabei.

Wieder erwartend zeigen auch die Schwäne großes Interesse an unserem Nahrungsmittelangebot, die wissen eben auch was gut ist.

Ich will an dieser Stelle nur kurz fest halten, dass wir uns an die Regeln gehalten haben, und dem Schwan nicht zu nahe gekommen sind. In diesem Fall, war er es, der sich nicht an gesellschaftliche Normen hielt, und unseren persönlichen Tanzbereich überschritten hat. Er stieg aus dem Wasser, um Drive-In mäßig, seine Zwieback Ration, direkt beim Verteiler ab zu holen. Sehr beeindruckend, wenn so ein Tier unmittelbar vor einem steht, und vor sich hin faucht!

Wir haben nicht gefaucht, wir wissen was sich gehört. Ist ja auch sein See, und nicht unserer. Das Zwieback war eh schnell verteilt, wir haben ihm das Feld überlassen und sind weiter gezogen. Die Kinder sind sich sicher, dass das Vater Schwan gewesen sein muss. Angesichts seines Aggressionspotentials, vermute ich das auch (Achtung Vorurteil!). Ich bin mir nicht sicher, wie man Schwäne geschlechtermäßig voneinander unterscheidet, und schlage vor, das wir das später zu Hause googeln.

Meine Beiden rollern vor sich hin, wir sehen viele Enten, Graureiher und einen Kormoran. Gibt es Kormorane in Deutschland? Ich verlasse mich da auf die Aussage einer Spaziergängerin.

Wir haben eine Rast gemacht um unsere Brötchen zu essen, und eine, um die Hundescheiße von Töchterchens Roller und Schuh zu entfernen. Ganz schön praktisch, so ein See in der Nähe!

Wir kommen bis zu einem Spielplatz, der ohne Roller unerreichbar für meine beiden Extremläufer gewesen wäre, und verbringen eine schöne Zeit dort. Nichts treibt uns, die Kinder hören von mir kein „beeile dich“, kein „Nein“ und kein „wir müssen jetzt gehen“. Ich spiele einfach mit! Und meine Beteiligung ist nicht erzwungen, oder aufgesetzt, um pädagogisch wertvoll zu sein. Nein, ich habe einfach Lust mit zu machen. Erst jetzt, rückblickend, wird mir klar, dass da wohl unabsichtlich die Art von Authentizität entstanden ist, von der neuerdings so viel gesprochen wird, und die von Eltern erwartet wird.

Auf den Rückweg haben wir uns erst gemacht, als die Kinder danach verlangten. Und ich habe auch „ja“ gesagt, als sie mich baten, ihre Roller zu schieben. Ich habe ihnen diesem Gefallen gerne getan.

Am Nachmittag sind wir noch ins Schwimmbad gegangen. Diesmal auch mit dem Papa, der inzwischen Feierabend hatte. Nein, kein Mitleid bitte, der hatte genug Urlaub in diesem Jahr!

Söhnchen hatte mich schon auf der Heimfahrt vom See, im Auto gefragt, warum ich nie mit ihm vom Einer Sprungbrett springe, und das er sich das von mir heute wünschen würde. Leichtfertig habe ich alter Adrenalinjunkie, mein Versprechen ab gegeben, das heute zu tun. Dem Mutigen gehört die Welt, und heute ganz besonders mir!

Und was soll ich sagen, ich hab´s getan. Gut, einmal bin ich zurück zur Leiter gegangen, aber man muss ja auch bereit sein für so eine Herausforderung.

Es war ein so unglaublich entspannter Tag. Sogar beim kurzen Einkauf, im Supermarkt, haben die Kinder sich vorbildlich verhalten. Normalerweise benehmen sie sich im Geschäft, als wären sie sechs Jahre in einem Käfig gehalten worden, der dann unmittelbar vor dem Laden geöffnet wurde. Kurz gesagt, sie sind laut, impulsiv, extrem bewegungsfreudig, und wollen alles haben. So heute nicht. Wie schön.

Warum ich von diesem unspektakulären Tag berichte?

Weil ich glaube,das viel von dem Stress des Alltages hausgemacht ist. Hausgemacht von mir, Mama!

Wie oft ich am Tag zu etwas „Nein“ sage, und würde man mich fragen, könnte ich nicht einmal sagen, warum.

Wie oft ich zur Eile antreibe, zur Ruhe ermahne, und sie auf fordere jetzt doch auch mal was spielen zu gehen und nicht die ganze Zeit bei mir zu hängen. Wie oft ich über die Bedürfnisse der Kinder hin weg gehe, und mein Ding durchziehen will. Und da wundere ich mich, über den ständigen Kampf zwischen uns?

Die Kinder schreien mit ihrem Verhalten, „wir wollen von dir gesehen und akzeptiert werden, wie wir sind“ und ich schreie zurück „ich will, dass ihr so seit, wie ich euch haben will“!

Der heutige Tag hat mir gezeigt, dass ich an den richtigen Schräubchen, bei mir selbst, drehen muss, und das die Kinder oft nur auf mein Verhalten, und auf meine Stimmungen reagieren.

Auch wenn der Alltag nach den Ferien wieder bei uns einkehren wird, möchte ich mich an die Lektion des heutigen Tages erinnern.

An den Satz meines Sohnes beim Abendbrot werde ich mich jedenfalls noch lange erinnern.

Er sagte: „Heute warst du eine richtig lustige Mama“.

Mission erfüllt!

2 Kommentare zu „(K)ein ganz normaler Tag

  1. Was ist das für ein schönesbkimpliment an die mama!.,

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