Spielen im Wald und am Bach

2017-03-10-17-12-07Es gibt kaum einen Ort, wo Kinder so vertieft und harmonisch spielen, wie im Wald. Nichts ist vor gefertigt, nichts ist fest gelegt. Spielplätze haben sicher auch ihren Reiz, aber meine Erfahrung als Mutter und als Pädagogin zeigt, dass Kinder bevorzugt Plätze zum Spielen auf suchen, die ursprünglich und wild sind. Wir brauchen uns nur an unsere eigene Kindheit erinnern. An die verlassenen Häuser, die wir erforscht haben, an die Bauplätze wo das Spielen von Kindern verboten war, und Eltern für ihre Kinder hafteten. Was uns nicht davon ab hielt, nach Feierabend dort rum zu stromern. An die Abenteuer, die wir im Wald erlebten, und an die Bäume, auf die wir nie hätten klettern dürfen, wären unsere Eltern dabei gewesen. Wir haben unsere eigenen Erfahrungen gemacht, und fühlten uns wirklich frei. Zum Abendbrot sind wir wieder zu Hause aufgetaucht, erschöpft, dreckig und glücklich.

Unseren Kindern stehen nicht mehr viele dieser Spielräume zur Verfügung, und ich will auch nicht zum Spielen auf der Baustelle auf rufen. Aber ein Stückchen Wald findet jeder irgendwo, und mit Glück fließt sogar ein kleiner Bach durch, an dem man Staudämme bauen, Steine schmeißen oder seine Bewohner beobachten kann. Und wenn wir tolerante Kinder haben und uns auf ihre Ebene begeben, dann dürfen wir vielleicht mit spielen.

Wir sollten uns klar machen, das wir ein Teil der Natur sind. Unsere Kinder haben dieses Wissen bereits tief in sich.

Das Kind, das Du geboren hast, wiegt zehn Pfund. Davon sind acht Pfund Wasser und je eine Handvoll Kohlenstoff, Kalk, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Kalium und Eisen. Du hast acht Pfund Wasser und zwei Pfund Asche zur Welt gebracht. Und jeder Tropfen dieses deines Kindes war einmal Dunst einer Wolke, ein Schneekristall, Nebel, Tau, ein Bach und das Abwasser eines städtischen Kanals. Jedes Atom Kohlenstoff oder Stickstoff war einmal Bestandteil von Millionen verschiedener Verbindungen.

Du hast nur zusammengefügt, was schon vorhanden war. Die Erde schwebend im unendlichen Raum.

Ihre nahen Gefährten. Die Sonne, fünfzig Millionen Meilen entfernt. Der Durchmesser unserer kleinen Erde, das sind nur dreitausend Meilen feurig glühender Masse mit einer dünnen, in einer Mächtigkeit von zehn Meilen erstarrten Schale. Auf dieser dünnen, mit Feuer erfüllten Schale, inmitten von Ozeanen, eine Handvoll festes Land.

Auf dem Land, zwischen Bäumen und Sträuchern, Insekten, Vögeln, Tieren, wimmelt es von Menschen.

Und unter den Millionen Menschen hast du noch ein – ja was denn?-

Hälmchen, ein Stäubchen zur Welt gebracht, ein Nichts. …

aber dieses Nichts ist ein leibhaftiger Bruder der Woge im Meer, des Sturmwindes, des Blitzes, der Sonne und der Milchstraße. Dieses Stäubchen ist ein Bruder der Getreideähre, des Grases, der Eiche, der Palme – des Gelbschnabels im Vogelnest, des Löwenjungen und des kleinen Hundes.

In ihm ist etwas, das empfindet, untersucht – duldet, begehrt, sich freut, liebt, vertraut, hasst – glaubt, zweifelt, an sich zieht und abstößt. Dieses Stäubchen umfasst mit seinem Gedanken alles: Sterne und Ozeane, Berge und Abgründe. Und was ist der Inhalt der Seele anderes als das All, nur ohne Dimensionen.“

Janusz Korczak

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