Vom Scheitern und wieder aufstehen

2017-18-09-16-40-33

Meine Woche war anstrengend, und ich hatte einige persönliche Niederlagen ein zu stecken.

Wie schon in meinen vergangenen Beiträgen angedeutet, sind wir nicht mehr so ganz zufrieden mit unserer Wohnsituation. Unser Haus und unser Garten sind schön, und wir optimieren beides immer wieder, so das wir uns hier eigentlich sehr wohl fühlen. Aber unsere Wohnsiedlung ist eng, und wir sind durch unsere hohe Kinderzahl, und auch durch unsere verschiedenen Aktivitäten, beides verursacht scheinbar zu viel Lärm, ein Dorn im Auge einiger Nachbarn. Und nicht zuletzt unsere Liebe zur Natur, und die Hoffnung, unsere Kinder in Dieser aufwachsen lassen zu können, hat den Wunsch geweckt, ländlich wohnen zu wollen.

Es gab schon einige Chancen und Hoffnungsschimmer, aber leider wurde unsere Euphorie immer wieder gebremst durch verschiedene ungünstige Rahmenbedingungen , und so zerschlug sich jede Option relativ schnell. Und jetzt, da sich aktuell wieder eine sehr hoffnungsvolle Tür zugeschlagen hat, wird mir klar, dass ich meinen Frieden machen muss, mit der Situation, und wohl dort bleibe wo ich bin.

Auch wenn man nicht Teil einer bestimmten Gruppe sein möchte, tut es trotzdem weh, Außenseiter zu sein.

Und mir wäre nichts lieber, als so schnell wie möglich zu flüchten. Auch das Wohnmobil, das wir uns diese Woche angesehen haben, und das eine Möglichkeit zur Flucht auf Zeit gewesen wäre, hat sich als überteuerter Schrotthaufen heraus gestellt. Wieder eine Seifenblase, die zerplatzt ist.

Die Rolle des Außenseiter bekleide ich schon mein ganzes Leben. Ich bin nie gemobbt, oder gehänselt worden, ich war eher die, von der man nachher nicht wusste, ob sie da war, oder nicht. Und in den letzten Tagen musste ich feststellen, dass sich daran, auch nach 44 Jahren, nichts geändert hat. Diese Tatsache hat mich die Woche über sehr runter gezogen. Ich bin keine Rampensau, aber ich habe eine klare Meinung, und traue mich auch sie zu vertreten, dennoch komme ich aus der Rolle des grauen Mäuschens nicht heraus. „Wie war dein Name noch mal?“

Dieser Blog hier, ist meine Herzensangelegenheit, und natürlich wünsche ich mir, dass es Menschen gibt, die lesen was ich schreibe. Bestenfalls gefällt es ihnen auch noch. Um Reichweite zu erreichen, habe ich einen Facebook Account erstellt, aber statt Menschen zu treffen, die ähnlich denken wie ich, oder Interesse an meinen Aktivitäten haben, bekomme ich eindeutige Angebote, und „Pipimann Fotos“ geschickt. Und das waren nicht mal besonders schöne „Pippimänner“!

Nach elf Wochen veganer Ernährung, zeigt sich weder das versprochene mentale Hoch, noch das Tief auf der Waage, und das Haus versinkt im Chaos, weil mir die Zeit fehlt, klar Schiff zu machen. Laufen war ich schon Wochen nicht, und Yoga habe ich auch ewig nicht gemacht, obwohl genau das helfen würde, um mich besser zu fühlen.

So bin ich in dieser Woche Tag für Tag mental immer tiefer gesunken, und habe mir ziemlich Leid getan.

Beim Autofahren hat es mich dann erwischt. In den Radio Nachrichten gab es eine Meldung, in der berichtet wurde, dass ein Shuttelbus, der Menschen von und zu einem Stadtfest bringen sollte, verunglückt ist, und eine Frau dabei ums Leben gekommen ist. Diese Frau war auf einem Fest, hatte vielleicht Spaß, hatte sich vielleicht auch über etwas geärgert. Sie hat mit Sicherheit Pläne für den nächsten Tag, die nächste Woche oder das nächste Jahr gemacht. Und am Abend war sie tot! Sie, mit all ihren Plänen, Gedanken und Hoffnungen ausgelöscht, gibt es nicht mehr.

Da ist mir klar geworden, dass ich mein Leben leben muss, und nicht gedanklich in der Vergangenheit feststecken darf, oder in der Zukunft. Das ich mich selbst nicht so wichtig nehmen sollte, und mein Augenmerk auf die Dinge richten muss, für die ich dankbar sein kann.

Was wir haben, ist nicht selbstverständlich. Es gibt viele Menschen, ohne Dach über dem Kopf und festen Wohnsitz. Angesichts des kommenden Winters, sind meine Sorgen mit der Nachbarschaft, für diese Menschen, ein lächerliches Luxusproblem.

Viele Menschen leben allein, und sind völlig vereinsamt, sie haben niemanden, der sich um sie kümmert, und nicht selten wird erst bemerkt, das sie verstorben sind, wenn es aus ihrer Wohnung anfängt, streng zu riechen. Ich habe sechs Menschen, die mich lieben, denen ich wichtig bin, und die sich Sorgen machen, wenn es mir nicht gut geht. Und als wir als Familie eine ziemlich schwere Zeit durch stehen mussten, wurden wir von unserer Gemeinde (ja ja, die Christen wieder!) so unglaublich unterstützt, dass mir klar wurde, so allein, und so unsichtbar, gar nicht zu sein.

Ich habe keinen perfekten Körper, und schön bin ich ganz sicher nicht. Aber wer hat eigentlich die Norm für „perfekt“ und „schön“ fest gelegt?

Wir, und im Besonderen wir Frauen, jagen einem Menschenbild hinterher, dass völlig unrealistisch ist, und von der Werbeindustrie geschaffen wurde. Wir versuchen aus zu sehen, wie Models auf Coverfotos, dessen Abbildungen nichts mehr mit der Realität zu tun haben.

Das echte Leben kennt kein Fotoshop, und wenn man es genau nimmt, kann ich sogar ziemlich stolz auf meinen Körper sein. Er hat fünf gesunden Kindern das Leben geschenkt, arbeitete in dieser Zeit, und auch jetzt, absolut störungsfrei. Ich bin nie ernsthaft krank gewesen, und alle Körperteile funktionieren so wie sie sollen. Ich kann sehen, hören, sprechen, atmen, laufen, fühlen, lachen und weinen. Es gibt also keinen Grund zur Beschwerde.

Und das ich mich nur von ausgewählten Lebensmitteln ernähre, und andere ab lehne, aus welchen Gründen auch immer, ist eigentlich vor Menschen die Hunger und Not leiden müssen, moralisch kaum zu vertreten. Aber ein Lebewesen unter unwürdigen Zuständen zu halten, mit dem Ziel, es irgendwann zu töten, und zu essen, irgendwie auch nicht.

Ich darf jeden Morgen in Freiheit aufwachen, und entscheiden, was ich tun möchte.

Ich darf Chaos machen, und ich darf es beseitigen, wenn ich Lust dazu habe.

Ich darf an den Gott glauben, an den ich glauben möchte, und werde, wenn ich mich dazu bekenne, nicht bedroht, verfolgt oder getötet.

Ich darf mich weiter bilden, und mir stehen, trotz meines nicht mehr so ganz Tau frischen Alters, noch viele Optionen offen, was ich mich mit meinem Leben anfangen kann.

Ich kann von meinen Erfahrungen und Niederlagen lernen, und meine Erfolge darf ich feiern.

Ich darf „Ja“ sagen, aber auch „Nein“.

Ich darf mich so mögen, wie ich bin, einfach, weil ich, ich bin. Kein Mensch weiß, was ich weiß, fühlt, was ich fühle, und kennt mich so gut, wie ich mich kenne.

Meine Kinder leben, und sind gesund, mein Mann lebt, und ist gesund. Und letzteres ist alles andere als selbstverständlich.

Ich sollte für jeden Tag dankbar sein, den ich auf der Erde verbringen darf. Mein letzter Tag steht zwar schon irgendwo fest geschrieben, ich kenne das Datum aber nicht. Meine Pläne können also sehr schnell ein Ende haben. Also lebe ich doch lieber, statt mein Leben zu planen.

Wie heißt es doch so schön: „Hinfallen, aufstehen, Krone zurecht rücken, weiter machen!“

Und zu den Menschen auf Facebook sei gesagt: „In dieser Phase unsere „Freundschaft“ möchte ich bitte noch keine Fotos von Euren Genitalien haben. Ich melde mich dann, wenn ich so weit bin, und Bedarf habe. Bis dahin interessiere ich mich mehr für das, was sich etwas weiter oben in Eurem Körper befindet. Euer Herz und Hirn!

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