Richtig oder falsch?

Seit ich Kinder habe, bewege ich mich auf dem schmalen Grad zwischen Richtig und Falsch. Und viel zu oft rutsche ich ab, und lande auf der dunklen Seite der Macht.

Ich weiß zum Beispiel, dass ich meine Kinder nicht anschreien soll. Ich weiß, dass das eine genau so schmerzhafte Erfahrung für sie ist, als würden sie geschlagen. Wenn ich wieder einmal zum Hulk werde, weil gerade ein Glas mit Kakao um gefallen ist, und sich in der halben Küche verteilt, zu einem Zeitpunkt, zu dem wir eigentlich bereits im Auto sitzen sollten, weil mein Dienst in wenigen Minuten beginnt, dann spielt sich im Körper des Kakaoglasumschubser, rein biochemisch, das gleiche Muster ab, als hätte ich ihm körperlichen Schmerz zugefügt. Und auch das im Raum anwesende Geschwisterkind, das nichts mit dem in der Küche verteilten Getränk zu tun hat, fährt diese Gefühlsachterbahn. Körperliche Gewalt, wie Schlagen, oder das verbal freundlicher verpackte „Klapsen“, haben mein Mann und ich, von der Geburt unseres ersten Kindes an, als Erziehungsmethode ausgeschlossen. Und so bin ich immer etwas über den anderen Müttern geflogen, die es völlig legitim fanden, ihre Kinder mit Schlägen zu erziehen. Als ich dann diese Erkenntnis aus der Hirnforschung gelesen habe, bin ich hart auf dem Boden der Tatsachen auf geschlagen. Und trotzdem passiert es mir immer wieder.

Ich weiß auch eine Menge über gesunde Ernährung. Ich habe viele Fachbücher darüber gelesen, Vorträge gehört, und Informationen gesammelt. Wir haben uns fünf Jahre vegetarisch ernährt, und zum größten Teil Bio gekauft. Ich habe in dieser Zeit viele positive Effekte an mir wahrnehmen können. Zehn Kilo Gewichtsverlust, ein besseres Hautbild, und keine Migräneattacken während dieser Zeit, haben mich dann aber nicht davon abgehalten wieder Fleisch zu essen, und im Dicounter völlig ungesundes Zeug in meinen Wagen zu laden. Dazu noch ein paar T-Shirts für 1,99 € aus dem Wochenangebot, von ausgebeuteten indischen Frauen hergestellt, und mein Einkauf war komplett. Ich weiß auch wie sehr Tiere in der Massentierhaltung leiden, und dennoch habe ich diese Qual, mit meiner Kaufentscheidung für Fleisch, unterstützt. Um so schwerer ist es jetzt, unsere Kinder wieder von einer anderen Art der Ernährung zu überzeugen. Was gesund ist, interessiert einen Sechsjährigen nicht. Der will das, was gut schmeckt. Und dieses Bedürfnis stillen die sogenannten Kinderprodukte mit ihrer Fett/Zucker Formel sehr gut. Von wegen „extra Portion Milch“ „so gut wie ein kleines Steak“ und „mit extra Vitaminen“! Diese Konzerne interessieren sich nicht für die Gesundheit unserer Kinder. Die sind nur interessiert daran, ihren Profit zu steigern, und die Krankheiten die aus dieser Fehlernährung entstehen sind der Kollateralschaden, der in Kauf genommen wird. Oder bewusst produziert, damit die Pharmaindustrie auch ein Stück vom Kuchen ab bekommt?

Ebenso weiß ich, von der riesigen Plastikmüll Insel die im Pazifik schwimmt und in der Fläche sechzehn mal größer ist als Österreich! Ich weiß, dass ich sie mit produziert habe. Ich werfe meinen Müll nicht in den Pazifik und auch nicht auf die Straße. Aber ich kaufe Plastik und damit beteilige ich mich an dieser Katastrophe. Unser „Gelber Sack“ wird alle vierzehn Tage abgeholt. Und nicht selten stehen bis zu sieben Säcke vor unserer Tür zur Abholung bereit! Wir haben kleine Stoffbeutel für den Obst und Gemüse Einkauf, die ich regelmäßig zu Hause vergesse, und so landet dann doch alles in kleinen Plastiktüten auf dem Kassenband. In unserem Shampoo, in unserem Duschgel und in unserer Zahnpasta sind feinste Mikroplastikteilchen. Sie verbessern nicht ihre Wirkung, sondern lassen das Produkt schöner aussehen und erhöhen das Produktvolumen. Für die Wirkung ist das völlig überflüssig. Auch die landen in unseren Meeren,  in unserem Grundwasser, und somit früher oder später auf unserem Teller! Ich will sie da nicht drauf haben, aber mich fragt ja keiner. Wir haben eine Zeit lang versucht Plastik frei ein zu kaufen. Das war spannend und teuer. Aber in dieser Zeit stand nur ein gelber Sack vor der Tür. Unser Kühlschrank und Vorratsschrank war aber leider auch nicht wirklich gut gefüllt. Milch und Kartoffeln vom Bauer, Gemüse und Obst im Stoffbeutel ( warum werden gerade die Bio- Gurken im Supermarkt in Plastik eingeschweißt?), Joghurt aus dem Glas. Und der Rest? Das Müsli, der Reis, Chips, Plätzchen, Nudeln, Toast, Reiswaffeln, Tofu, Toilettenpapier, Zahnpasta, Duschgel, Shampoo, und und und. Alles in Plastik verpackt! Für manches gibt es teure Alternativen, für vieles nicht. Wer große Söhne im Haus hat, weiß wie dramatisch ein halb leerer Kühlschrank ist, wer große Töchter im Haus hat, weiß wie lächerlich es ist, ein Stück Seife für die Haar- und Körperpflege bereit zu legen. Und so bin ich auch hier , wieder besseren Wissens, auf einem Weg unterwegs, bei dem meine Alarmleuchten permanent wie verrückt leuchten.

Manchmal wünsche ich mir, all diese Informationen nicht gesammelt zu haben. Einfach leben wie ich will, ohne Rücksicht, kaufen was ich schön finde, und essen worauf ich Lust habe, nicht nachdenken über die Folgen. Aber Dummheit ist ja auch keine Lösung!

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